gesehen. Ascension

[Storyspoiler erst im zweiten Teil des Textes, dort gibts noch mal ne Warnung]

Whoa, was für eine großartige Prämisse! Ich musste die kurze Beschreibung gar nicht bis zum Ende lesen, schon hat es mich gepackt. Worum geht es? Ascension ist eine Kurzserie über 6 Episoden, die 2014 auf SyFy ausgestrahlt wurde. Stellt euch vor, die Menschheit hätte 1963 eine Gruppe von Freiwilligen auf den Weg nach Proxima Centauri geschickt – eine Reise, die gut 100 Jahre andauert. Dort soll ein neuer Lebensraum gegründet und der Planet kolonisiert werden. An Bord der USS Ascension befinden sich 600 Menschen, die in einem streng hierarchischen System organisiert sind – was auch zu funktionieren scheint.

ascension

Das Interessante ist, dass die Serie in der heutigen Gegenwart spielt – im Jahre 2014, 51 Jahre nach Start der Mission. Die Kolonisten feiern diese „Halbzeit“ (51st Launch Day) an Bord, und für den Zuschauer ist dies ein sehr schöner Einstieg um die Organisation und Struktur dieses Raumschiffes kennenzulernen. 51 Jahre, das heißt also auch, dass hier schon viele Menschen in zweiter und dritter Generation leben. Dabei dürfen sich die Menschen nicht beliebig fortpflanzen – ein Computer entscheidet unter den Paaren, die sich gebildet haben, über die optimale Genmischung für das Fortbestehen der Mission, und auch die Anzahl derer, die in jedem Jahr eine Schwangerschaft haben dürfen. Und all das in dem Charme der 60er, was vor allem durch die Literatur und Popkultur deutlich wird die den Menschen zur Verfügung stehen. Der zentrale Innenteil des Schiffes, von dem man zu allen Einrichtungen gelangen kann, wirkt vom Stil her überraschend ähnlich dem Institut aus Fallout 4, mit seinem großen Fahrstuhl zur Brücke im Zentrum. Überhaupt wirkt das Schiff sehr viel anders, sehr viel geräumiger als vielleicht andere große Schiffe aus der Science Fiction Welt (ich denke da an die Enterprise aus Star Trek, die vielleicht ähnlich viele Menschen durchs All transportiert und für mich immer recht eng wirkt durch die niedrigen Decken).

Ich liebe solche Aufhänger! Meine Fantasie schlägt Purzelbäume, wenn ich mir ausmale, was dieses Schiff alles für Geschichten bereithalten kann. Ascension schlägt hier von der Prämisse in denselben Kanon ein wie The Martian, Interstellar, Gravity und Sunshine. Mit knapp 4,5 Stunden Laufzeit über 6 Episoden (oder drei Kapiteln) lässt sich das auch gut an ein oder zwei Tagen wegschauen. Woran die Serie krankt kann ich erst im Spoilerteil erklären, aber ich hoffe, dass ich euch für diese Miniserie schon genug begeistern konnte. Ascension ist, soweit ich weiß, noch nicht in Deutschland erschienen (korrigiert mich). Abzüge gibt es vor allem für den Cast, den ich hier bei weitem nicht optimal finde. An 1-2 Stellen ist das Acting sogar richtig mies, aber im großen kein Grund zum Wegschauen. Schauts euch an!

[Spoilerteil ab hier]

Im Laufe der ersten beiden Episoden stellte ich als Zuschauer fest, dass irgend etwas nicht ganz richtig ist. Dass sich vieles falsch anfühlt. Warum gibt es z.B. normale Schwerkraft auf dem Schiff? Ein beliebter Treffpunkt ist z.B. die nachgebaute Standidylle um den Pool – ein wirklich ganz tolles Set. Aber es dürfte in dieser Form überhaupt nicht existieren, an Bord eines solchen Schiffes. Auch bekommen wir rasch die Außenseite zu sehen – die Erde. Ist Ascension dort ein großes Thema? Die größte Mission, die die Menschheit je geschaffen hat? Müsste mit dieser enorm fortschrittlichen Technologie nicht noch viel mehr realisiert worden sein – Marsmissionen und -Kolonien z.B.? Nein, auf der Erde weiß so gut wie niemand von dieser Mission, sie scheint größter Geheimhaltung zu unterliegen. Doktoranden scheinen dem Mysterium auf der Schliche zu sein, aber niemand weiß davon. Das ergibt keinen Sinn. Man reimt sich schließlich selbst zusammen, was der Grund sein könnte, dennoch entfaltet der große Wendepunkt am Ende von Folge 2 seine Wirkung komplett.

Von nun an prallen also zwei Welten aufeinander, wodurch Episoden 3-6 ganz anders wirken als die ersten beiden. Die Truman Show erhält nun Einzug, ebenfalls einer meiner Lieblingsfilme. Was natürlich befeuert wird, als dann auch noch jemand aus dem Schiff ins All verbannt wird und unmittelbar außerhalb des Schiffes von „der echten Welt“ zur eigenen Sicherheit in einer Zelle landet. Wie muss das sein, für jemanden, der zum ersten Mal von der Illusion befreit wird? Leider spielt Brad Carter die Rolle des Stokes für mich nicht sehr überzeugend, so dass dieser interessante Part in meinen Augen seine Wirkung nicht voll entfalten kann. Leider verliert sich der Plot im weiteren Verlauf dann etwas im Übernatürlichen. In gewisser Weise kann man argumentieren, dass dies ja das eigentliche Experiment des ganzen darstellt. Ellie O’Brien spielt ihre Rolle hervorragend, aber dieser zentrale Plot, der schließlich sowohl im Schiff als auch außerhalb alles ins zeitweilige Chaos stürzt, funktioniert für mich nicht – wahrscheinlich, weil ich mich nach all der in der Summe ganz guten Vorarbeit schlicht nicht darauf einlassen kann. Vielleicht seht ihr das ganze aber mit anderen Augen.

Als Fazit: Ich verneige mich vor dieser Idee und der Umsetzung, und die ersten vier Episoden bieten viel Raum für Phantasie. Der 60er Jahre-Flair ist für mich leider nur unzureichend ausgearbeitet, hier hätte man noch viel überzeugender sein können. Das Zusammentreffen vom Menschheitstraum – das All zu besiedeln -, und der Truman Show als schöner Wendepunkt nach zwei Episoden ist für mich der Höhepunkt dieser Miniserie. Definitv eine Empfehlung, auch wenn meine Wertung vielleicht etwas zu hart ist.

6/10 (Tendenz nach oben)
gesehen auf: Netflix TW

2015 in review: Serien

Whoa, was für ein Jahr. Der Serienmarkt ist kräftig am umkrempeln und haut qualitativ so viel Zeug raus, dass ich kaum Chance habe mitzuhalten. Mein Serienkonsum 2015 hat sich komplett auf Netflix und Amazon Prime Video konzentriert – meine Videoplatformen der Wahl. Vor allem Amazon hat 2015 mächtig aufgeholt und bietet fast durchgehend OV-Versionen und Untertitel an, und punktete zuletzt gewaltig mit der Offline-Funktion fürs iPad. Wie schön, dass ich 128 GB an Speicher habe und für alle Dienstreisen gewappnet bin. Watchever gab ich auch noch eine Chance, denn im September, als ich auf dem Schiff war, waren sie der einzige Dienst mit Offlinefunktion. Zumindest auf dem Papier. Was 2014 noch gut funktionierte, war in diesem Falle ein absoluter Rohrkrepierer, denn die Offlinefunktion lies mich dann auf dem Schiff komplett im Stich (Die Watchever-App war der Meinung, ich müsse zur Kontrolle einmal online gehen, um die Funkion weiter nutzen zu können). Nun denn, die Offline-Funktion von Amazon ist derzeit das Mittel der Wahl, da sie eine herausragende Videoqualität bietet und gleich zwei Sprachen herunterlädt.

Etwas ärgerlich war dann noch die Tatsache, dass sich viele Serien nicht zeitnah on-Demand abrufen ließen. Game of Thrones S5 lief nach einiger Verwirrung mit 3 Wochen Verspätung auf Amazon, The Walking Dead S5 konnte man das gesamte Jahr über nicht abrufen. Ich habe mich sogar hingesetzt und ernsthaft über ein Sky-Abo nachgedacht, aber deren Angebot ist dermaßen lächerlich, dass ich diese Option in keinerlei Weise in Betracht ziehen konnte. Unglaublich, was dieses Unternehmen an Potenzial verschenkt. Vielleicht widme ich diesem Thema noch mal einen eigenen Blogpost.

Abgeschlossen habe ich in diesem Jahr Mad Men, deren letzte Staffel wieder richtig gut gelungen ist, und allen Figuren ein würdiges Ende verleiht. Ich weiß nicht, ob ich diese wunderbare Serie noch einmal sehen werde, aber ich kann sie nur wärmstens empfehlen. In den 60er-Jahre Charme kann ich mich permanent verlieben.
Die größte Vorfreude galt wie in den letzten beiden Jahren auch Game of Thrones, dessen fünfte Staffel tatsächlich einige Schwächen hatte. Dennoch war es immer noch extrem hohes Niveau, und 2016 wird Staffel 6 wieder meine most anticipated Series sein. Hoffentlich dann mit weniger Problemen, was die Zugänglichkeit und den Exklusivdeal mit Sky (kotz!) angeht.

An Serienneustarts habe ich Better Call Saul (konnte mich sehr überzeugen, und brachte mich auch endlich zu Netflix), Fear the Walking Dead (viel vertanes Potenzial) und Mr. Robot (whoa!) verfolgt, und bin zudem in schon länger laufende Serien eingestiegen: Sons of Anarchie (S1-5 – DIE Serienentdeckung des Jahres für mich), Homeland (S1 – sehr packend erzählt, wenn auch das Erzählmuster ziemlich nach Schema F verläuft), und Masters of Sex (S1-2 – toller Cliffhanger auf S3, teilweise aber mäßige Characterzeichnung).

Serie des Jahres: Mr. Robot – für mich die Überraschung schlechthin, richtig packend und endlich mal wieder eine Serie, die ich „bingen“ musste. Bitte mehr davon!

Für 2016 habe ich mir vorgenommen, vermehrt deutsche Serien zu schauen. Die Serienlandschaft hierzulande scheint dazugelernt zu haben, und dargeboten wird ja bereits der ein oder andere Geheimtipp. Konkret stehen da Weißensee, Morgen hör ich auf, Weinberg und Deutschland 83 auf meiner Watchlist. Zudem werde ich mir The Wire vornehmen, das in einer schicken Blu-ray-Komplettbox bereits im Regal steht.

Alle Serienstaffeln, die ich 2015 gesehen habe:
24 Season 8 4/10
The Walking Dead Season 4 8/10
Two and a half Men S10 6/10
Better Call Saul S1 8/10
Desperate Housewives S1 5/10
Sons of Anarchy S1 7/10
The Big Bang Theory S7 8/10
Mad Men S7.1 9/10
Marco Polo S1 6/10
Sherlock S2 9/10
Sons of Anarchy S2 7/10
Secret Diaries of a Call Girl S3 5/10
Sons of Anarchy S3 8/10
Game of Thrones S5 8/10
Tatortreiniger S2 7/10
Tatortreiniger S3 8/10
Tatortreiniger S4 8/10
Mad Men S7.2 9/10
Secret Diaries of a Call Girl S4 5/10
Sons of Anarchy S4 8/10
Fear the Walking Dead S1 7/10
Sons of Anarchy S5 9/10
Masters of Sex S1 7/10
Masters of Sex S2 8/10
Two and a half Men S11 4/10
Mr. Robot S1 9/10
Homeland S1 8/10

2015 in review: Podcasts

Seit 2 Jahren ist extreme Bewegung im Podcast-Business! 2015 zeichnet sich für mich aber erstmals ab, dass wir in absehbarer Zeit die „Kontrolle“ über das Medium verlieren können. Als Background: Podcasts befinden sich derzeit immer noch auf einer Stufe vergleichbar zu Hochzeiten der Blogs. Das meiste ist self-hosted und self-published, aber nun wird langsam die nächste Stufe angesteuert. Wir werden sehen, wohin uns das führen wird, und ob tatsächlich mal ein ernstzunehmendes Podcastnetzwerk aus dem Boden sprießt (ich möchte es nicht das Podcast-Netflix nennen).

In Sachen Eigenproduktionen musste ich in diesem Jahr Prioritäten setzen, und darunter hat vor allem das wunderbare Podroll gelitten – in diesem Jahr ist das Projekt doch ziemlich eingeschlafen, und wir haben keine einzige Staffel produziert. Ich möchte das Projekt an dieser Stelle nicht für tot erklären, aber unter des doch recht arbeitsintensiven Jahres war nicht nur bei mir, sondern auch bei meinen Mitstreitern schlicht nicht genug Zeit für dieses Projekt. Auf der anderen Seite hatten wir ein recht erfolgreiches Jahr bei PlayTogether mit einigen Episoden, an die ich sehr gern zurück denke. Robert und ich haben endlich Gelegenheit gefunden, Destiny zu besprechen, und wir haben lange Episoden zu Fallout 3 und 4 aufgenommen. Zudem haben Carsten und ich uns endlich mal wieder ein Zelda-Spiel vorgenommen. In diesem Rhythmus kann es gern weitergehen.
Gastspiele gab es auch wieder, und herausheben möchte ich vor allem die Besprechung von Better Call Saul beim Lichtspielcast. Wir steuerten dem Programm von Second Unit im Rahmen ihrer Umstrukturierung eine Episode bei, und im dortigen Jahresrückblick bin ich ebenfalls kurz zu hören.

Einen Podcast des Jahres möchte ich dieses Mal nicht küren. Aber eine Entwicklung gutheißen, die bitte noch weiter intensiviert wird: serienbegleitende Podcasts, die das Serienschauen noch viel tiefgründiger machen. Explizit habe ich das zu Game of Thrones und zu Fear the Walking Dead gemacht (Serienjunkies-Podcast), würde das aber noch gern zu weiteren Serien begrüßen. Also – traut euch, liebe Podcastcommunity! Wie wärs mit nem Sopranos oder X-Files Rewatch-Podcast?
Ansonsten tue ich mich schwer, meine Podcastplaylist zu erweitern, da eigentlich kaum genug Zeit zum Hören all dieser tollen Episoden da ist. Für 2016 muss ich endlich auf eine neue Podcastapp umsteigen, da ich immer noch auf das mittlerweile eingestellte Instacast setze.

Diese Podcasts habe ich derzeit (Stand: 31.12.2015) abonniert:
ABZUG FM
Alternativlos
AstroGeo Podcast
Bildsprache Podcast
Bits und so
Countdown Podcast(*)
CRE: Technik, Kultur, Gesellschaft
Freak Show
Glaubenssache
Homestorys
Der Lautsprecher
Märchenstunde
Metaebene(*)
Origin Story
Pink and Blue Xbox Podcast(*)
Plauschangriff(*)
Radio Tatooine
Raumzeit
Retrozirkel
Second Unit
Sendungsbewusstsein
Serial
Serienjunkies
Spieleveteranen Podcast
Die Sprechkabine
Stay Forever
Studierzimmer
Top Score
WASD-Talk
Der will doch nur spielen!
Wir hören Stimmen!
Young in the 80s

(*): 2015 neu abonniert

2015 in review: Filme

Huh, schon wieder ein Jahr rum. Und im letzten Jahr habe ich doch glatt vergessen, eine Rückschau zu schreiben. Naja, ignore that. Für das ablaufende Jahr habe ich mir ein Beispiel an Christians Rückblick vom letzten Jahr gemacht, und Buch geführt über alle Medien, die ich so geschaut habe. Japp, dies wird somit hauptsächlich ein Medienrückblick. So let’s get started…

Meine Kinobesuche kann man in diesem Jahr an einer Hand abzählen. Was schade ist, angesichts des an sich wirklich großartigen Filmjahres 2015. Über allem steht natürlich Star Wars – der mich erst in den letzten Wochen vor Filmstart so richtig gehypt hat. Man hat einfach diese ungeheure Energie gespürt, die dieser Film ausgestrahlt hat (und damit meine ich nicht das völlig eskalierte Marketing seitens Disney). Dann, als ich tatsächlich im Kino saß, umgeben von NASA-Wissenschaftlern, die Jubelschreie ausstießen als es endlich losging – als man merkte, dass der Film wirklich gut werden könnte, als Rey und BB-8 sich instantan in unsere Herzen spielten – wow, war ich anschließend happy! An diesem Filmbesuch werde ich noch lange zurückdenken. Mir fällt nur ein einziger Film ein, bei dem ich ähnlich aufgeregt und am Ende ähnlich begeistert war, als er zu Ende war, und das war The Return of the King.
Am low end verorte ich ganz klar The Hobbit – The Battle of the Five Armies. Was für eine Grütze. Ich habe den Film erst in diesem Jahr gesehen, und ich bin immer noch entsetzt, was aus diesem Fantasywerk gewachsen ist.
Einige weitere Revivals gab es in diesem Jahr auch noch, angeführt von Mad Max, der einfach mal richtig eingeschlagen ist. Auch Jurassic World hat mich wunderbar unterhalten und lässt die bisherigen Fortsetzungen des Originals vergessen machen.
Ganz vorn liegt aber The Martian. Ich bin ja großer Fan dieses „more science than fiction“- Genres, sprich von Weltraumabenteuern, die sich nicht allzu weit weg von uns und unserer Erde bewegen, und nicht gleich mit Aliens ankommen. In den letzten beiden Jahren wurde ich durch Gravity und Interstellar schon ziemlich enttäuscht – zwei Filme, die nett anfangen, aber mich dann komplett verlieren, weil ihre Welt oder ihre Handlung einfach massiv unglaubwürdig werden. Nicht so bei The Martian. Anfang des Jahres habe ich die Buchvorlage von Andy Weir regelrecht verschlungen, noch bevor ich überhaupt von dem Film erfahren hatte. Nicht viel später kam dann schon der erste Trailer, und irgendwie verging das Jahr dann auch recht schnell, und ich saß im Oktober im Kino und war einfach nur gefesselt. Filme, bei denen ich die Buchvorlage schon kenne, haben es ja eigentlich immer schwer – aber in diesem Falle entsprach der Film fast perfekt dessen, was ich mir vorgestellt hatte – eine Meisterleistung. Der Film ist eine regelrechte Augenweide, und hat nur eine ganz kleine Schwäche am Ende, die aber auch schon im Buch „schwierig“ gelöst ist. Hut ab, das ist mein Film des Jahres. Noch vor Star Wars.

Dies sind alle Filme, die ich 2015 gesehen habe. Doch mehr, als ich dachte.
The Hobbit: The Battle of the Five Armies 03/10
The Imitation Game 8/10
Children of Men 7/10
Gone Girl 9/10
L.A. Confidential 9/10
Eurotrip 2/10
Welcome to the Jungle 3/10
The Lego Movie 9/10
Grand Budapest Hotel 9/10
Mad Max: Fury Road 8/10
Mad Max 7/10
Mad Max 2 10/10
The Wolf of Wall Street 7/10
Jurassic World 7/10
Hierro 4/10
People Like Us 6/10
Jupiter Ascending 6/10
La Venus à la fourrure 7/10
Fifty Shades of Grey 4/10
The Martian 9/10
Mad Max Beyond Thunderdome 6/10
Honig im Kopf 4/10
Fast 5 7/10
Transformers – Age of Extinction 2/10
Star Wars – The Force Awakens 8/10
Spectre 7/10
Despicable Me 7/10

Odyssee mit Turkish Airlines

Im meinem Beruf als mariner Geophysiker bin ich hin und wieder auch auf Forschungsschiffen unterwegs. Da diese Forschungsfahrten teils in entlegenen Winkeln des Globus stattfinden ist es unabdingbar, dort erst einmal hinzufliegen und dann an Bord zu gehen (ich erwähne dies, da ich häufig die Frage gestellt bekomme, in welchem deutschen Hafen ich denn an Bord gehe). So auch dieses Mal.

Die Forschungsfahrt mit dem französischen Forschungsschiff Pourquoi Pas? fand im Schwarzen Meer statt, ausgehend von Constanta, Rumänien. Constanta hat einen Flughafen, der allerdings nicht oft angeflogen wird. Turkish Airlines bedient diesen Flughafen von Istanbul aus etwa alle zwei Tage. Da wir an einem Dienstag früh morgens rausfahren wollten, mussten wir also schon am Sonntag zuvor anreisen – der nächste Flug wäre erst am Dienstag nachmittag angesetzt gewesen.

Doch schon in Hamburg befürchteten wir, dass es in Istanbul Probleme geben würde. Der Flug, geplant für 7:05 Uhr, war auf 8 Uhr verschoben worden. Damit schmolz das Umsteigepolster in Istanbul von 1,5h schon auf ein Minimum zusammen. Doch es zögerte sich immer weiter hinaus, um 8 Uhr hatte noch nicht einmal das Boarding begonnen. Bei Ankunft in Istanbul hatten wir schlussendlich 2h Verspätung, und der Flug nach Constanta war bereits weg. In so einem Fall muss also die Fluggesellschaft dafür sorgen, dass man irgendwie am Ziel ankommt. Da der nächste Flug nach Constanta nunmal erst zwei Tage später ging, bot man uns an, uns nach Varna, Bulgarien umzuleiten, von wo die Kollegen von Turkish Airlines uns einen Transport nach Constanta organisieren würden. Nach Rücksprache mit unserem Reisebüro war das auch deren preferierter Vorschlag.

Unser Gepäck musste natürlich auch umgeleitet werden, also stellte man uns am Transfer Desk von Turkish Airlines direkt ein neues Gepäck-Tag aus, mit Ziel Varna. Das alte behielten sie dort, doch zum Glück hatte ich es zuvor instinktiv fotografiert für den Fall, dass ich es verlieren sollte. Im Nachhinein eine sehr schlaue Entscheidung. Der Flug nach Varna war allerdings erst für 1 Uhr morgens angesetzt, also bot man mir an, bis dahin in einem Hotel unterzukommen. Mein mitreisender Kollege, gebürtiger Inder, blieb derweil im Ruhebereich von Turkish Airlines, da er das E-Visa zur Einreise in die Türkei nicht zahlen wollte- immerhin 50€. Mit meinem deutschen Reisepass fühle ich mich in solchen Situationen echt schäbig, da es damit in diesen Ländern überhaupt keine Probleme gibt. Als ob ich bloß durch dieses Dokument ein besserer Mensch wäre. Nun denn.

Ich ließ mich also zum Hotel bringen, das Park Inn Hotel in Istanbul, recht nobel sogar. Dort konnte ich mich ausruhen (immerhin war ich seit 2:30 Uhr auf den Beinen), bekam dort ein Abendessen und wurde dann gegen 22:30 zurück zum Flughafen gebracht. Bis hierhin war die Sache noch ganz ordentlich geregelt. Auch mit der Tatsache, dass der Flug nach Varna ebenfalls um über eine Stunde verspätet abhob, hatte ich zu diesem Zeitpunkt kein Problem.

In Varna trat dann allerdings das Worst-Case-Scenario ein: Unser Gepäck war nicht im Flugzeug. Nur knapp etwas mehr als ein Tag, bevor wir mit dem Schiff auslaufen. Urgs! In solch einer Situation also muss man als erstes zum Lost & Found gehen und ein Formular ausfüllen. Hier war von Vorteil, dass ich beide Gepäcktags besaß – den usprünglichen von Hamburg als Foto, und den nachträglich nach Varna ausgestellten im Original. Man bekommt eine neue Trackingnr, unter der dann die Gepäcksuche läuft. Und ein Survivalkit mit dem nötigsten (Zahnbürste, Einwegrasierer, weißes T-Shirt Größe L, Socken etc). Das Problem hierbei war jedoch, dass unser Gepäck ja nicht nach Varna geliefert, sondern schlussendlich in Constanta landen sollte – sprich auch noch in einem anderen Land. Wir waren ratlos, wie das auf die Schnelle geregelt werden sollte. Der Flughafen in Varna ist recht klein, aber es gibt dort ein Service-Office von Turkish Airlines. Die beiden Mitarbeiter dort waren sehr freundlich und hilfsbereit, und haben sich sehr für uns eingesetzt, auch bei der Gepäcksuche. Sie waren sehr entzürnt über die Kollegen in Istanbul, die ihnen keine Nachricht über unseren Fall geschickt haben. Denn früh morgens um 4 Uhr jemanden zu finden, der uns mal eben über die Grenze fährt, war eine Herausforderung. Um 9 Uhr war aber tatsächlich jemand von einer Autoverleihfirma da, hatte sämtlichen Papierkram für die Grenzüberquerung ausgefüllt, und wir konnten los. Vom Gepäck fehlte immer noch jede Spur. Seltsamer noch – das Computersystem zeigte an, dass unser Gepäck in Istanbul niemals gesichtet wurde. Ob das aber für das neu ausgestellte Gepäck-Tag galt oder das alte, wussten sie auch nicht zu sagen. Wie funktioniert das eigentlich, rennt da jemand zu unserem Gepäckstück hin, reißt das alte Band ab und klebt das neue drauf? Jedenfalls waren wir ratloser als zuvor, denn es war auf einmal nicht mal klar, ob die Koffer in Hamburg je ins Flugzeug geladen wurden.

Um 9 Uhr ging es jedenfalls los. Constanta liegt 120 km nördlich von Varna. Die Straßen sind ok, doch nach ungefähr 40 Minuten hält der Fahrer an, telefoniert, fragt an einer winzigen Tankstelle nach irgendwas, telefoniert wieder… da er kein englisch kann, erklärt uns jemand am Telefon, was das Problem ist: es fehlt noch ein wichtiges Dokument, das für die Grenzüberquerung notwendig ist. Das wird uns nachgeliefert – natürlich auch erst 40 Minuten später. Dann geht es aber wirklich weiter, über die Grenze (und da mein Kollege immer noch einen indischen Pass mit sich führt, dauert die Grenzkontrolle ne halbe Ewigkeit) bis zum Hotel, in dem wir ursprünglich bis zu dem Tage hätten unterkommen sollen. Etwas an der Fahrweise fand ich ungewöhnlich – der junge Fahrer fuhr eigenartig vorsichtig. Man merkte, dass er schneller fahren wollte, vor allem wenn er ewig lang hinter langsamen LKWs fuhr. Ich saß direkt hinter ihm und konnte sehen, dass die Straße frei wäre zum Überholen. Und er kniff mit einer Hand immer ein Auge zusammen. Für mich ein Zeichen, dass er sehr kurzsichtig ist und dringend eine Brille braucht. Im Nachhinein war die Fahrt doch recht gefährlich gewesen…

Nun denn, da waren wir, in Constanta, mittlerweile 12 Uhr mittags. Seit 33 Stunden unterwegs, seit 2,5 Tagen kaum geschlafen. Im Hotel klärten wir die Sache mit dem Gepäck, dass ja am nächsten Tag hierher geliefert werden sollte. Die Ausfahrt geht bis zum 15.9., und wir würden dann noch eine Nacht dort unterkommen. Wir mussten dann auch direkt zum Schiff, da unsere Pässe dort gebraucht wurden. Die Immigrationsbehörde wollte in diesem Fall jede Person an Bord mit dem Passfoto vergleichen – und dazu mussten erst einmal alle an Bord sein. Solange hieß es also warten, bis knapp 18:30h. Da wir am nächsten Morgen rausfahren wollten und nun mehr als absehbar war, dass das Gepäck bis dahin nicht vor Ort sein würde, mussten wir also noch hastig zu einer Mall fahren und das nötigste einkaufen: Shorts, T-Shirts, Unterwäsche, Socken, Drogerieartikel etc. Zum Glück hatte die Mall bis 22 Uhr geöffnet, und wir gaben jeder knapp 150€ aus – zum ausgiebigen Shoppen war keine Zeit, sonst hätte ich die günstigen Preise besser nutzen können. Auf der Taxifahrt zurück zum Hotel wurden wir dann auch noch betrogen, der Taxifahrer verlangte den vierfachen Preis im Vergleich zur Hintour, und machte auf der Rechnung seine Taxinr. unkenntlich.

Zurück auf dem Schiff freute ich mich endlich auf etwas Schlaf. Ich schilderte diesen Fall dann noch dem Support von Turkish Airlines via Twitter, die auch noch einmal tätig wurden. Der weiterlaufende Kontakt war dann natürlich eingeschränkt, denn unterwegs auf dem Schiff können nur Mails gecheckt werden. Mobile Kommunikation incl. Twitter und SMS sind nicht möglich. Eine Mail bekam ich dann tatsächlich am späten Nachmittag mit der Nachricht, das mein Gepäckstück eventuell gefunden wurde, dies müsste noch bestätigt werden. Bedeutet also, dass es bis dahin nicht zum Hotel geschickt wurde wie versprochen. Aber aus dieser Position war ich eh machtlos und verfolgte die Sache weiter…

Dann, am 2. September, erhielt ich endlich die Nachricht: Unser Gepäck war im Flug von Istanbul nach Constanta am 1. September – das wäre auch der nächste reguläre Flug von Istanbul nach Constanta gewesen. Meine Vermutung ist also, dass das Gepäck in Istanbul nie auf den Varnaflug umgestempelt wurde, und unser neues Gepäcktag sinnlos war. Naja, vielleicht nicht ganz. Nochmals gab es einen längeren Austausch per Mail – sie würden unser Gepäck in Constanta bis zum 14.9. aufbewahren und dann zu unserem Hotel liefern, zu dem wir am 15.9. zurückkehren sollten. Auch gut. Ich musste dann noch ein Formular für den Zoll ausfüllen, unterschreiben und wieder einscannen. Auch meine Rechnungen für die Ausgaben in Constanta schickte ich hin. Mir wurde jedoch mitgeteilt, dass ich einen Entschädigungsanspruch erst ab dem zweiten Tag ohne Gepäck hätte – und wenn man hier mal ein Gedankenspiel macht, hätte das ein Problem werden können: Da wir erst am 31.8. in Varna gelandet sind, und am 1.9. das Gepäck hinterherkam, wäre diese Regel somit nicht erfüllt. Hier musste ich also noch einmal vehement darauf hinweisen, dass das Gepäck (zusammen mit mir) am 30.8. in Constanta hätte sein sollen, und dass ich den Hinweis, das Gepäck wäre nun in Constanta, erst am 2.9. bekommen habe.

An Bord konnten wir trotz allem unsere Arbeit aufnehmen. Sämtliche Daten, die für die Ausfahrt wichtig waren, hatte ich im Handgepäck auf einem kleinen Rechner dabei. Die Stromkabel nicht – da hat dann der Elektriker sich was zusammengelötet. Da wir auf dieser Fahrt nicht an Deck mithelfen brauchten, war es auch nicht schlimm, dass ich keine Sicherheitsschuhe dabei hatte. Im Verlauf der zweiten Woche bekam ich dann auch die Bestätigung, dass man mir meine Unkosten erstatten würden.

Und tatsächlich – als wir dann am 15.9. wieder im Hotel eincheckten, wartete dort schon das Gepäck auf uns. Und noch besser – Vorm Abflug bekam ich am Schalter von Turkish Airlines tatsächlich sämtliche Kosten erstattet, für die ich Quittungen vorlegen konnte. Insgesamt 536 Rumänische Leu bekam ich bar auf die Hand, umgerechnet 120€. Die konnte ich dann wiederum erst zuhause wieder in Euro umtauschen.

Um diese Odyssee also doch noch zu einem positiven Fazit zu bringen: Mit einem ungeöffneten Koffer nach einer längeren Reise nach Hause zu kommen bedeutet auch – Die Wäsche ist sauber.

Wichtige Erkenntnisse eines solchen Erlebnisses:
-Fluggastrechte sind eine gute und wichtige Sache, und werden von den Airlines sehr ernstgenommen
-Gepäcktags sind enorm wichtig – macht euch unbedingt eine Kopie mit dem Handy!
-Wechselwäsche für eine Nacht im Handgepäck ist sehr praktisch – hier ein toller Lifehack, den ich jedes Mal befolge
-lebenswichtige Dinge (in meinem Fall etwa zur Diabetesversorgung) und Dokumente, Daten etc, auf die ihr wirklich nicht verzichten könnt oder dürft – grundsätzlich im Handgepäck mitführen – und keine Ausnahmen machen!

Better Call Lichtspielcast

Oder so ähnlich. Ich war zu Gast beim Lichtspielcast und habe dort mit Dennis, Mo und Co-Gast Christian über Better Call Saul geredet. Wir unterhalten (und spoilern) uns dabei nicht nur die erste Staffel dieser neuen Serie, sondern auch generell über Spin-Offs, Prequels und natürlich über Breaking Bad. Also, hört doch mal bei den Jungs rein!
Better Call Saul
Better Call Lichtspielcast

08/10
gesehen auf: Netflix

unterwegs mit Nokia Here Maps

Ich war eine Woche im Urlaub. Frankreich, um genau zu sein, und hatte dort einen Mietwagen. Und natürlich wollte ich dort navigieren, ohne den absurden Navi-Aufpreis des Car Rental-Services meiner Wahl zu zahlen.

Nun, vor Jahren schon habe ich seinerzeit für das iPhone Classic die Navigon-App gekauft, 60 Mark oder so dürftens gewesen sein. Ja, man konnte mit dem GPS-losen iPhone Classic navigieren, wenn man die Tomtom-Autohalterung besaß. Als Early Adopter der Deutschland-Version wurde diese App dann gratis auf EU-10 geupdated, die genauen Umstände weiß ich nicht mehr. EU-10, so dachte ich bis vor kurzem, umfasst alle Nachbarländer Deutschlands – aber Pustekuchen, Frankreich ist nicht dabei. Und nochmal 60 Mark für die Frankreichversion von Navigon löhnen wollte ich dann auch nicht.

Also hörte ich mich kurz auf Twitter nach einer Lösung um und wurde ziemlich schnell auf Here-Maps von Nokia gestoßen (Danke Whistler!). Here-Maps ist gratis und löst das wichtigste Anforderungskriterium: Offline-Navigation. Alles andere ist erst einmal nebensächlich, bzw. nehme ich als gegeben hin.

Zunächst einmal gefällt, wie aufgeräumt die App ist. Wer sich einmal durch den kompletten Adresseingabe-Prozess eines Navigon-Gerätes durchgeklickt hat, wird dies zu schätzen wissen. Etwas schade ist, dass Points-of-Interests sich zwar suchen lassen, man aber nicht einfach schauen kann, was so in der Nähe oder auf dem Weg liegt. Dennoch, die Suche nach einer Tankstelle in einem kleinen Örtchen in Südfrankreich lieferte 100x brauchbarere Ergebnisse als etwa Apple Maps, das daraufhin jedes Autohaus auf der Karte anzeigte.

Bei der Navigation selbst hapert es jedoch gewaltig. So etwa navigierte uns die App in einen Feldweg hinein, der nur für Anlieger eines Golfplatzes freigegeben war. Die Gesamtroute wäre dadurch um 200m kürzer gewesen, zugegeben – trotzdem unschön. Die deutsche Ansage hatte ihre größte Mühe mit den französischen Orts- und Straßenbezeichnungen. Ein Problem, das nicht nur Nokia hat – ich mich aber frage, wann sich dem mal jemand annimmt. Dass viele Straßen gut sichtbar nummeriert sind, ist in Frankreich eine super hilfreiche Sache. Die Ansage stolpert aber über einen Punkt, und benennt die D5 z.B. „D-fünfte“. „Nehmen Sie im Kreisverkehr die dritte Ausfahrt und folgen Sie der D-fünfundvierzigste.“
Das Highlight jedoch erlebten wir beim Befahren einer Mautstraße. Ich hatte der App untersagt, bei der Routenplanung über Mautstraßen zu fahren. So dachte ich, als wir dann doch entschieden, die Ausfahrt nicht zu nehmen und durch die Mautstation zu fahren, dass die App damit zurecht kommen sollte. Kam sie auch, und legte die Umgehung ad acta. Fast. Nokia Here Maps wollte uns fortan konsequent über jeden noch so kleinen Rastplatz lotsen, da man ja dann für 500m abseits der Mautstraße fährt (ohne dabei eine Mautstation zu passieren! Clever. Nicht.).

Mit Display verbraucht eine 2-stündige Navigationssession ca. 60% Akku auf einem relativ jungen iPhone 6. Schätze mal, dass das im Rahmen liegt. Und ich kann natürlich nicht von der Hand weisen, dass sie ihren Dienst tut – trotz kleinerer Ungereimtheiten, und man stellt sich ja auch nicht ganz dumm an. Schließlich ist die App gratis. Falls es in diesem Anforderungsbereich bessere Alternativen gibt, lasst es mich wissen.

Mein erstes Navigationsgerät, ebenfalls von Navigon, habe ich 2008 gekauft – und ich würde heute sagen, dass es besser und zuverlässiger war als Nokia Here Maps von 2015. Abstriche nur in der Bedienfreundlichkeit und natürlich in der Aktualität des Kartenmaterials. Ich lasse das mal als Fazit so stehen.

gesehen. Sons of Anarchy: Season 1

Das sind sie also, die Sons of Anarchy. Die Serie ist in den letzten Jahren komplett an mir vorbeigegangen, irgendwie auch, weil der Titel so nichtssagend ist. Ergeht mir häufiger so, aber das macht ja auch nichts. Irgendwann wurde jedenfalls die fünfte Staffel in meiner Twitter-Timeline hochgelobt und ich wurde neugierig. Netflix hat derzeit die Staffeln 1-3. Und die erste Staffel habe ich soeben abgeschlossen.

SOA S1Sons of Anarchy ist eine Serie über den gleichnamigen, fiktiven Motorradclub in den USA. Angesiedelt in einer Kleinstadt führt der MC dort eine Werkstadt und ist tief involviert in illegale Waffengeschäfte. Rivalisierende Clubs und schmierige Kooperation mit der örtlichen Polizei sorgen für ordentlich Erzählstoff, und nicht zuletzt bekommen wir mit Jax als rastloses Mitglied des MCs eine Hauptfigur, dessen interessantes Privatleben eine wichtige Rolle spielt.

Überzeugen konnte mich diese erste Staffel von Sons of Anarchy insbesondere durch den wirklich guten Cast auf Seiten des MC (vor allem Charlie Hunnam und Ron Perlman) und seinen für mich überraschend vielschichtigen und interessanten Charakteren. Auch das Set um die Motorradwerkstatt und die Chapel ist große Klasse. Relativ schwach hingegen beide Plots um die beiden ATF-Agenten, die als Gegenspieler des MC auftreten. Hier sehe ich noch großes Verbesserungspotenzial. Insgesamt jedoch bin ich höchst gespannt auf den Fortlauf in der zweiten Staffel – das Potenzial ist enorm, denn der Erzählstoff wirkt auf mich sehr unverbraucht.

07/10 mit starker Tendenz nach oben
gesehen auf: Netflix

Guten Hunger.

Neulich bei Lidl. Genau, der Schuppen mit der absurden Werbekampagne. Anderes Thema.
Im Eingangsbereich unterhalten sich gerade zwei Personen.
Es ist ca. 12 Uhr.
Person 1: „Oy, was machst du denn hier?“
Person 2: „Joa, ich hatte heute morgen nur ne Tüte Haribo zum Frühstück, dat hält ja nicht so lang vor. Brauche mal wat vernünftiges zum Mittach, weißte?“

Wenig später stehen die beiden genau vor mir an der Kasse. Ich begutachte den übersichtlichen Einkauf von Person 2.

Eine Tüte Chips und ne Schachtel Zigaretten.

Na dann guten Hunger.

gespielt. The Order: 1886

Zugegeben: Dieses Spiel hatte ich vor knapp einem Monat noch überhaupt nicht auf dem Radar. Die Announcements und Trailer auf diversen Veranstaltungen ließen mich kalt, da sie mir mehr den Eindruck eines „yet another 3rd person shooter against supernatural villains“ hinterließen.

the order 1886

Jetzt ist es erschienen, und aus den ersten Meinungen zum Spiel zog ich vor allem folgende Message: sehr kurze Spielzeit, teilweise mehr Film als Spiel. Und da machte es bei mir *klick*. Wahrscheinlich mache ich mich bei Sony gerade etwas unbeliebt, aber ich habe das Spiel für knapp 30€ gebraucht gekauft. Es ist eindeutig ein Spiel, das man an einem Wochenende durchspielen kann und dann wieder zur Videothek zurückbringt. Sony möchte hierfür irgendwas zwischen 60 und 100€ haben – das ist das Spiel definitiv nicht wert.

The Order: 1886 ist in Kapitel aufgeteilt, 16, um genau zu sein. Einige dieser Kapitel sind komplette Filmszenen, in denen man wirklich nur zuschauen darf. Betonung auf „darf“, denn The Order ist wirklich verdammt gut inszeniert. Das ganze Spiel läuft im Bildformat 2,40:1 – und das funktioniert richtig gut. Während des Spielens merkt man nur selten einen Bruch zwischen reiner Filmsequenz und Spielsequenz. Die Kamera ist permanent leicht unruhig, und interessanterweise gefiel mir gerade dieser Aspekt besonders gut. Ein weiteres zentrales Element sind Quick-Time Events, die in dieser Art Spiel scheinbar nicht fehlen dürfen. Das Spiel ist streng linear – man hat so gut wie keine Freiheiten, den Fortlauf in irgend einer Weise zu beeinflussen. Strengenommen wechseln sich Filmsequenz – Quicktime – Schauplatz untersuchen – Shootout in verschiedenen Reihenfolgen ab. Die Shootouts sind leider der große Schwachpunkt von The Order – leider. Die KI ist entweder streng gescriptet oder strohdumm, und das ganze ist dazu noch sehr schlecht ausbalanciert. Hier fehlt extrem viel Feinarbeit, offenbar musste The Order zum Schluss schnell fertiggestellt werden. Schade eigentlich.

Ein weiterer großer Schwachpunkt ist das Storytelling. Der Prologue von The Order ist zwar große Klasse, aber darüberhinaus gelingt es den Entwicklern nicht, mich als Spieler in die Welt hineinzuziehen. Ich hatte große Schwierigkeiten, in die Welt einzutauchen und wusste phasenweise nicht, warum und gegen wen ich überhaupt gerade kämpfen soll. Erst nach ca. 5 Kapiteln hat mich das Spiel wieder eingefangen, und dann beginnt auch der mit Abstand beste Teil des Spiels. Zum Schluss wirds leider wieder etwas fad.

Und bitte, liebe Entwickler, hört mit diesen Audiologs auf. Egal ob Halo 3: ODST, Bioshock Infinite oder jetzt The Order: 1886 – das funktioniert (für mich) schlicht nicht. Alternatividee: produziert spielbegleitende Podcasts, die ich mir anhören kann, wenn ich das Spiel durch habe.

07 / 10
gespielt auf: PlayStation 4