Kindle Nachschlag

Nun, seit meinem Ersteindruck zum Kindle im Dezember letzten Jahres hat sich einiges getan. Gerade habe ich das zehnte Buch auf dem Gerät durchgelesen (Wovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede), und daher gibt es noch mal einen Nachschlag zu diesem tollen Gerät.

Da ich zu Beginn diesen Jahres viel auf Reisen/Forschungsschiffen und meist auch fernab vom Netzzugang war, hat sich hier der Kindle besonders bewährt. Ein Stromkabel hatte ich gar nicht erst eingepackt, das war auch nicht notwendig. Zum einen, weil die Ausdauer wirklich enorm ist, zum anderen, weil ich auch nicht der einzige mit einem Kindle an Bord war. Amazon gibt die Akkulaufzeit mit einem Monat an, meiner Schätzung nach schafft man mit einer Akkuladung etwa 2000-3000 Seiten (Refresh bei jedem Umblättern, die Eigenentladung des Akkus und eventueller Wifi Zugriff nicht mit einberechnet).

Vor kurzem gab es auch das erste richtige Software Update (Version 4.1.0), welches sich selbstständig über Nacht installiert und mir am nächsten Morgen in einer separaten Datei angezeigt hat, welche Änderungen es umfasst. Hervorragend! Geändert hat sich nicht viel, es umfasst eher Dinge wie Kindersicherung und Flugmodus, aber immerhin. An der Präsentation der Bücher selbst gibt es durchaus noch einiges zu feilen.

Here’s an image of a page from The Hitchhiker’s Guide To The Galaxy, describing The Hitchhiker’s Guide To The Galaxy, on an e-reader that resembles The Hitchhiker’s Guide To The Galaxy. (Quelle)

Ebenfalls aufgefallen ist mir, dass Amazon den Kindle nun auch in Kaufhäusern (etwa Karstadt) verkauft. Dort hatte ich auch endlich mal Gelegenheit, mir den mittlerweile in Deutschland verfügbaren Kindle Touch anzusehen. Dieser präsentiert die Bücher tatsächlich etwas anders, Amazon hat hier vor allem den Shop mehr durchdacht. Doch die Entscheidung, die seitlichen Tasten zum Umblättern gänzlich wegzulassen, finde ich nicht sehr vorteilhaft, da ich diese bei meinem Kindle sehr schätze. Dafür gibt es ihn auch mit 3G. Ein nicht zu unterschätzender Vorteil, wenn man viel in der Welt unterwegs ist und sich keinen Vorrat an Lesestoff angelegt hat.

Die schon in meinem Ersteindruck angesprochene Ordnerstruktur hat sich bei mir durchgesetzt.
-Auf meinem Homescreen liegt zunächst das Buch, welches ich aktuell lese.
-Im Ordner „wish list“ liegen die Leseproben von Büchern, in die ich mal reinschauen möchte oder die ich mir vorgemerkt habe.
-Die „to do list“ umfasst Bücher, die ich bereits gekauft habe oder kostenlos abgestaubt hab.
-Im „Bücherregal“ liegen meine bereits gelesenen Werke. „Amazon“ umfasst Sachen wie das Handbuch oder auch die Update Informationen.
-„Wörterbücher“ ist ein Ordner, der sich mit dem letzten Update von selbst installiert hat und, nun ja, eben die verschiedenen Wörterbücher umfasst.
-Und zu guter letzt gibt es noch das „Archiv“, in das Amazon die gelöschten Dinge wie pdfs und Bücher verlinkt, falls man sie erneut herunterladen möchte. Speicherprobleme gibt es jedenfalls keine, von den 2GB Speicher nutze ich nicht mal 5%.

Apropos kostenlose Bücher: Über den Twitter Account @ebooksfuerlau wird man diverse meist temporär kostenlose Bücher aufmerksam gemacht, in denen sich auch so mancher Geheimtipp verbirgt. Überhaupt bin ich durch die Aktion von Amazon im letzten Jahr, als es für einen Tag das Buch 1Q84 Teil 1&2 von Haruki Murakami für 0 Euro gab, auf eben diesen Autor aufmerksam geworden. Das Werk, aufgeteilt in drei Teile, von denen ich den dritten direkt nachgekauft habe, ist brilliant, und seither hole ich ältere Werke von Murakami-san nach, verschlinge diese regelrecht. Großartig, absolute Empfehlung!

Fehlerhafte Bücher gibt es immer noch. Von den deutschen Büchern, die ich auf dem Kindle gelesen habe, ist jedes zweite fehlerbehaftet. Häufigster Mangel sind hin und wieder fehlende Leerzeichen, die durch einfaches Korrekturlesen vermeidbar gewesen wären. Im deutschen stört generell, dass der Kindle keine Silbentrennung beherrscht – das macht oft den Blocksatz zunichte. Im englischen stört dies hingegen kaum. Ebenfalls störend ist die fehlerhafte Seitenanzeige. Manchmal ist sie von Beginn an vorhanden, bei einem anderen Buch wird sie erst später angezeigt – und wiederum bei einem anderen Buch bleibt einem nur die Positionsanzeige zur Orientierung. Auch kommt es vor, dass ein Buch schon bei 80% von Fortschrittsbalken zu Ende ist, und der Rest vom Anhang gefüllt wird.

Viele Bücher bringen auch ein eigenes Layout mit, und der Kindle bietet dann an, ob man das Layout vom Verlag oder das Kindle-eigene Layout nutzen möchte. Ich schalte immer auf das Kindle-Layout um, weil ich die immer gleiche Schriftgröße und Schriftart sehr schätze. Trotzdem scheint sich der Kindle meine Auswahl in der Schriftgröße nicht zu merken, denn wenn ich ein neues Buch anfange, wird die Schrift fast immer zunächst eine Stufe zu groß angezeigt.

In Sachen Auswahl an Büchern hat sich einiges getan. Viele Bücher, die ich anfangs noch vermisst habe, sind mittlerweile verfügbar. Auch mit der Erstellung vom .mobi Format habe ich mich schon mal befasst. Wie ein EPUB aufgebaut ist, kenne ich schon länger, und ein Tool zur Konvertierung von EPUB zu .mobi bietet Amazon selbst an (natürlich nur, wenn das EPUB frei von DRM ist). Der Versuch, den Kindle zum Anschauen von PDF-Vorlesungsfolien zu nutzen, ist wie erwartet an den beschränkten Zoom Funktionen kläglich gescheitert.

Mein Fazit fällt auch ein halbes Jahr später noch ausgesprochen positiv aus. Der Kindle hat sich sehr bewährt und gehört zu den meistbenutzten „Gadgets“ hier bei mir. Der Vorteil, von jedem Buch eine kostenlose Leseprobe zu bekommen, ist äußerst praktisch. Und gerade draußen auf dem Balkon, wo man auf dem iPhone in der strahlenden Sonne nichts mehr erkennen kann, kommt der Kindle ganz groß raus. Ich habe aber auch beobachtet, dass bei Wärmeeinstrahlung die Umschaltzeiten merkbar größer werden. Die Konkurrenz scheint immer noch nicht auf dem richtigen Weg zu sein, zumindest die meisten Mitbewerber. Barnes & Nobles hat im März diesen Jahres angekündigt, nach Europa zu expandieren und damit den Nook nach Deutschland zu bringen. Thalia ist ebenfalls auf einem ganz guten Weg und bietet verschiedene Reader mit Direktzugriff auf ihren eigenen Store an.

Mein nächstes Buch lese ich übrigens nicht auf dem Kindle. Richtiges Papier muss auch mal wieder sein.

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